Muttertagsgedichte



Mir ist so wohl, mir ist so bang
In meinem Herzen drinn.
Was reißt mich für ein heißer Drang
Zu meinen Lieben hin? -
O sage, was für Töne ziehn,
Mir sehnend durch die Brust? -
Das Auge flammt, die Wangen glüh'n
In heil'ger Lieb' und Lust. -

So gehe denn mein Seelengruß
Hin in mein Heimatland, -
Da ich ja selber meinen Kuß
Dahin nicht bringen kann.
Und wehe hin und klinge mild
Der Lieben Mutter mein,
Und trage Ihr des Sohnes Bild
In ihre Hütte 'nein! -

Und stelle es vor ihren Geist
In Andacht flammend dar,
Wie es mit Tränenblicken weist
Auf einen Hochaltar.
Der Altar leuchtet hoch und schön, -
"Geweiht der Dankbarkeit" -
Sein strahlend Heil'genbild wird stehn
Bis in die Ewigkeit.

Denn wie der Sonne Morgenschein
Auf grüne Eichen bricht,
Glüht in die Gegenwart hinein
Der Hoffnung Wunderlicht.
Sie bringet uns die goldne Ruh
In diese Erdenwelt.
Es nicken uns die Englein zu,
Vollziehn, was uns gefällt.

Drum, Hoffnung, wollen wir vertraun
Stets Deinem Blumenstern,
Woll'n glaubensmutig vorwärts schaun,
Liegt auch das Glück noch fern.
Ja Deine goldne Blütenwelt
Umgaukelt auch das Grab,
Und von des Himmels Sternenfeld
Glüht Trost auf uns herab. -

Die Festtage des Lebens . 1856


Ertönet, Lieder der Freude,
In sanfter Melodie!
Ertönet lieblicher heute,
In schöner Harmonie!

Von Hochgefühlen der Freude
Durchglüht, schlägt uns're Brust.
Wir werden inniger heute
Uns unsers Glücks bewußt.

Empfange unsere Weihe
Mit güt'gem Mutterblick,
Du bist mit zärtlicher Treue
Der Deinen höchstes Glück.

Sieh, Deine Kinder umschlingen,
Entflammt von Freude, Dich,
Und Deine Freunde umringen
Gerührten Herzens Dich.

Im still erquickenden Glanze
Verborg'ner Häuslichkeit,
Blüht Dir, im grünenden Kranze,
Glück und Zufriedenheit.

So wall' im herzlichen Bunde
Der reinsten Zärtlichkeit,
Begrüß' die heutige Stunde
Noch oft mit Heiterkeit.

Vollständige Sammlung von Gelegenheitsgedichten . 1852


Frohe Stunden gibt's im Leben,
Froher Tage gibt es viel,
wo wir ohne Sorgen schweben
unter Sang und Tanz und Spiel.
Doch der Lebensjahre beste
sind der Kindheit goldnes Loos:
freundlich winket da zum Feste
Mutterlieb' auf ihrem Schoß.

Ihr im Schoß, umringt von Scherzen,
liegt man sicher, liegt man weich;
lächelt nach dem Mutterherzen,
in sein kleines Himmelreich.
Sanft geküsst, gewiegt, gedrücket,
fühlt man Freuden, Wonne schon;
und kein Saitenklang entzücket,
wie der Mutterstimme Ton.

So am Gängelband der Freude
werden wir allmählich groß,
tauschen jetzt um Buch und Weide
Mutterarm und Mutterschoß.
Aber kann, wer da gesessen,
angelehnt an ihrer Brust,
jenes Kinderglück vergessen,
jener Paradieseslust? -

O der Unschuld Paradiese,
wie so grünend, wie so schön!
wenn herab auf Wald und Wiese
lauter Gottesengel sehn,
auf Gefilde, leer von Reue,
Friede aus den Wolken lacht,
und bei mütterlicher Treue
väterliche Sorge wacht.

Von der Lebensjahre besten,
wo das Veilchen frischer blüht,
von der Kindheit Rosenfesten
Dir, o Mutter, dieses Lied!
Mutter, Deinen treuen Händen
dieser Druck und dieser Dank!
Lass mit Küssen mich vollenden
diesen kindlichen Gesang!

Deklamationssaal . 1853


Geliebte Mutter, wie ist heute
Mir dieser Tag so festlich schön,
Da sich zuerst Dein Auge freuet,
Den ersten Sonnenstrahl zu sehn.

Sieh, wie die Freud' in meinen Blicken,
Wie sie in meinem Herzen glüht;
Wie mich mein kindliches Entzücken
Mit frommen Wünschen zu Dir zieht.

Zu Dir, die jeden Lebensmorgen
Für mich so schön und heiter macht,
Und die mit mütterlichen Sorgen
So treu für meine Wohlfahrt wacht!

O, der Dich mir zum Glück gegeben,
Gott, mache Deine Tage schön,
Und lasse Dich das spät'ste Leben
Zur Seite meines Vaters sehn.

Poetische Bibliothekar . 1845


Ich kann zwar nicht viel Wünsche wagen,
Mein Alter ist noch Worte leer,
Mein Mund weiß wenig noch zu sagen,
Allein mein Herz empfindet mehr.

Nimm, Mutter, nimm für Deinen Segen
Das Opfer meiner Dankbarkeit!
Und Rosen blüh'n auf Deinen Wegen,
Im späten Alter, so wie heut.

Gott stärke Deine Kraft und kröne
Mit Glück und Himmelssegen Dich!
Für Deine Liebe nimm die Träne,
Die meinem Auge jetzt entwich.

Gratulanten . 1850


Ich wünsche Dir nicht Gut und Geld;
Zwar kann mit Krösus Schätzen
Und ird'schen Gütern dieser Welt
Man sich gar artig setzen;
Doch beut der Reichtum auch Genuß?
Er gibt mehr Ärger und Verdruß:
Verborgst Du's Geld - Du wirst geprellt,
Von Räubern wird Dir nachgestellt,
Und wird ein Richterspruch gefällt,
Dich läßt man frei, doch nicht dein Geld. -
Auch wünsch' ich Dir nicht hohen Rang;
Zwar lauten schön die Titel
Und sind sie ganze Seiten lang,
So ist's das beste Mittel,
Vermöge solcher Protection
Zu stehen selbst vor Königs Thron;
Allein dort lagert schnöder Groll
Und Neid wie Sand am Meere,
Man naht gebückt und ehrfurchtsvoll,
Doch die Kabale ist wie toll
Und nimmt uns in die Scheere.
D'rum wünsch ich Dir ein einz'ges Gut,
Das beste unter Allen -
Die Adern voll gesundes Blut
Und rüstig die Vasallen.
Dann in die Wirtschaft wenig Not,
Die Speisekammer voller Brod,
Und all' die Deinen stark und rot,
Bis spät einst naht der sanfte Tod.

Vollständige Sammlung von Gelegenheitsgedichten . 1852


Gedrungen fühl' ich herzlich mich,
An die mich anzureihn,
Die heute, teure Mutter! (teurer Vater!) Dich
Durch Liebesgab' erfreun.

Drum bring' ich hier die Kleinigkeit
Dir jetzt mit Liebessinn;
Ich weiß es, was die Liebe beut,
Nimmst Du mit Liebe hin.

Der liebe Gott erhalt' Dich hier
Gesund noch lange Zeit!
Von wahren Gütern schenk' Er Dir
Frohsinn, Zufriedenheit!

Und ich will nie mehr kränken Dich;
Will fleißig, folgsam sein,
Und so nach Kräften immer mich
Bemüh'n, Dich zu erfreun.

Die Festtage des Lebens . 1856


Nimm diesen Kranz - wir haben ihn gewunden -
Als Liebeszeichen Deiner Kinder an!
Er sei ein Bild der Jahre, Tage, Stunden,
Die lächelnd Dir aus ferner Zukunft nah'n;
Er sei ein Bild des Glück's, das Dich gebunden
An dieser Erde wechselvolle Bahn,
An eine Bahn, die bald in Täler mündet,
Und bald in Bergen hoch empor sich windet.

Dein Leben sei, wie dieser Blumen Blühen,
An Düften reich und reich im Farbenglanz,
Und jeder von den Tagen, die verglühen,
Und jeder Stunden- und Minutentanz´
Entfess'le mehr Dich von des Lebens Mühen,
Und flechte fester Deiner Freuden Kranz.
Und Gott erhört so gern der Kinder Flehen,
Er lässet unsre Wünsche gern geschehen.

Universal-Gratulant . 1845


Schöne Worte hab' ich nicht, zu künden
Heute Dir des Herzens Dankbarkeit;
Doch mein Flehen wird Erhörung finden,
Gott wird segnen Deine Lebenszeit.

Deine guten Lehren treu zu leben,
Dich durch gute Sitten zu erfreu'n,
Deinem hohen Beispiel nachzustreben
Wird mein eifriges Bemühen sein.

Vollständige Sammlung von Gelegenheitsgedichten . 1852


Sieh', gute Mutter, Deine treuen Kinder!
Hier steh'n wir alle dicht um Dich vereint;
der reinste Wunsch hebt unsre Brust geschwinder,
die Rührung lächelt, und die Freude weint.

O sieh' auf uns, lass uns in Dir noch schauen
das schöne Bild von mütterlicher Huld,
von frommen Frohsinn, stetem Gottvertrauen,
von herzensvoller Hoffnung und Geduld,

damit wir gut wie unsre Mütter werden,
des Lebens Pfad, wie Du, mit Hoffnung gehen,
und, bald nach Dir entnommen dieser Erden,
dort ewig auch mit Dir vereint uns seh'n.

O schöner, hoher Schmuck von greisen Haaren,
wenn sie so ehrenvolles Alter bleicht,
und jeder Dir noch gern in fernen Jahren
den Kranz der Ehrfurcht und der Liebe reicht!

Wohl Dem, dem nie auf dornbestreuten wegen,
und den auf Blumen nie Dein Bild verlässt!
D'rum, Mutter, Deine Liebe, Deinen Segen -
und viele Jahre dieses frohe Fest!

Deklamationssaal . 1853


Sieh hier aus herzlich frohem Triebe
der Kinder kleine Schar sich nahn;
o nimm das Sinnbild unsrer Liebe,
nimm's, Teure, huldvoll von uns an!
Wir alle woll'n zur Tagesfeier
ein Liedchen Dir, der Guten, weihn,
und stimmte auch nicht rein die Leier -
die Mutterliebe wird's verzeihn,

Wie in des Tales schönen Gründen
der Bach mit leisem Murmeln fließt,
wie seines Ufers Irrgewinden
ein süßer Blumenduft entsprießt:
so gleite auch Dein teures Leben
stets rein und ungetrübt dahin;
von Freuden sei es rings umgeben,
die über Sternen Dir noch blühn!

Wie zögernd gern die Quelle gleitet,
um Fluren lispelt, spielt und schleicht,
bis sie, vom stärkern Strom geleitet,
den fernen Ozean erreicht:
so lächle lange noch hinieden
Dein Blick uns liebevoll und mild,
und ruhend einst in süßem Frieden,
umschweb' uns noch Dein schönes Bild!

Deklamationssaal . 1853


Sieh, Mütterchen, die Deinen kommen!
Vor Freude klopft das kleine Herz,
und mancher Wunsch im kindlich frommen
Gebete steigt heut himmelwärts.

Du warst es, die vom ersten Morgen
bis jetzt auf unser Wohl bedacht;
und wenn wir krank: Du trugst die Sorgen,
durchwachtest da wohl manche Nacht.

O habe Dank, Du immer Treue!
O dass der Dank so klein und schwach!
Doch blühen soll Dir stets auf's neue
der Deinen Liebe Tag für Tag.

Und Gott verleih' Dir langes Leben
und Freuden auf der Lebensbahn,
lass seine Engel Dich umschweben,
wie wir Dich jetzt in Lieb' umfahn.

Deklamationssaal . 1853


Von des Lebens erstem Morgen
hast Du, Mutter, mich gepflegt
und mit mütterlichen Sorgen
mich ernähret und gehegt.

O mit welcher Muttertreue
nahmst Du mich an deine Brust,
sorgtest täglich wohl auf's neue
für des Kindes Freud' und Lust;

saßest sorgend an der Wiege,
dass mich ja kein Unglück traf,
dass nicht Mücke und nicht Fliege
störe meinen süßen Schlaf.

Wenn vor Schmerz Dein Kindlein weinte,
hast Du wohl die ganze Nacht,
an dem kleinen Wiegenbettchen,
schwer besorgt bei mir gewacht.

Habe Dank für Deine Liebe,
gute Mutter, habe Dank!
Und ich will mit treuem Herzen
lieben Dich mein Leben lang.

Deklamationssaal . 1853