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Erlebnis
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Oft denk ich deiner nicht durch Tag und Stunden,
Das Leben treibt mich strudelnd hin und her;
Dann kommen Nächte, taub und dumpf und leer,
Dann, Mutter, dann muss ich durch dich gesunden.
Wie oft nicht hab ich's seltsam süß empfunden,
Als legte auf mein Haupt so heiß und schwer,
Sich eine Hand wie eine heil'ge Wehr,
Sanft, leis und lieb, bis mich der Schlaf gefunden.
O Mutterhand, hilfst du mir auch durch's Morgen?
Ich werde zag, gedenke all der Sorgen,
Der Wünsche aller, die durch mich zu dir
Geflossen aus dem Mutterherz, dem warmen,
Und doch, das Schicksal muss sich ja erbarmen,
Sonst, Mutter, wie bestünde ich vor dir?
Walter
Flex . 1887 - 1917
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